Spinner in Nadelsteifen

Managementesoterik in der Fortbildung weit verbreitet

Viktor Lau berichtet bei einer SINUS-Versammlung über Esoterik in den Fortbildungsangeboten der Wirtschaft

Viktor Lau berichtet bei einer SINUS-Versammlung über Esoterik in den Fortbildungsangeboten der Wirtschaft

Schon die Überschrift seines Vortrages ist wenig schmeichelhaft für die Branche der Personalentwicklung. „Spinner in Nadelstreifen“ nennt der Unternehmensberater Viktor Lau zahlreiche Anbieter von Fortbildungsseminaren. Lau war früher bei zwei Banken zuständig für deren Fort- und Weiterbildungsangebote und sollte es deshalb wissen. Neunzig Prozent der Angebote seien weltanschaulich gefärbt und durchaus problematisch, so Lau bei seinem Vortrag bei der Sekteninformation und Selbsthilfe Hessen (Sinus) in Frankfurt. Und der Markt ist durchaus beachtlich. Das Deutsche Institut für Wirtschaft schätzt den Umsatz am 30 Milliarden Euro.

Als Beispiele für solche Angebote nannte Lau etwa das Neurolinguistische Programieren, die Organisationsaufstellung oder auch höchst zweifelhafte Typentests. „Da bohren Menschen mit Halbwissen in der Psyche von Kunden herum“. Zudem gebe es keine Menschentypen. Jeder Mensch sei höchst individuell. Aber die Antworten der Test seien so schön einfach und träfen immer zu. „Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Antworten zum Einen positiv sind und zum Anderen hinreichend diffus sind.“ Mit diesem Barnum-Effekt arbeite auch die Astrologie.
Zu den zweifelhaften Psychoprogrammen zählt Lau auch die Transaktionsanalyse, die sich etwa in der Erzieherausbildung großer Beliebtheit erfreut. Problematisch seien die Instrumente solcher Programme, weil sie in den Händen von nicht ausreichend qualifizierten Menschen seien. Wenn beispielsweise in einem Seminar die Erinnerung an ein traumatisches Ereignis wie Vergewaltigung oder der Tod eines nahen Angehörigen hervorgerufen wird, hätten diese selbst ernannten Pseudotherapeuten nicht das Handwerkszeug, um dieser Retraumatisierung zu begegnen.

Ein relativ neuer Trend sei es Tiere als Co-Trainer einzusetzen. Man glaube, dass diese ein ehrliches, schnelles Feed-Back gäben. So hat eine deutsche Großbank ihre Führungskräfte mit Hilfe von Lamas trainiert.

Mit Blick auf den Trend des Zen-Leadership merkte Lau an, dass hier einige Komponenten aus dem kulturellen Kontext gerissen werden. Überhaupt sei der Anspruch der permanenten Optimierung problematisch: „Was ist mit jenen, die nicht können oder auch nicht wollen?“ Lau forderte, dass das Wir wieder in den Vordergrund gehöre, den Unternehmen seien auch soziale Institutionen. Die gegenwärtige Personalentwicklung wirke dagegen entsolidarisierend.

Viktor Laus Analyse ist als Buch unter dem Titel „Schwarzbuch Personalentwicklung“ erschienen.

Kurt-Helmuth Eimuth

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